Vor 1945

Die Friedensgemeinde ist eine noch junge Gemeinde. Auch wenn in W. Körners „Die Chronik von Eppertshausen“ (S. 77) zu lesen ist: Eppertshausen wurde nach der Reformation evangelisch und vom evangelischen Pfarrer aus Messel seelsorgerlich betreut. Aber Eppertshausen gehörte damals zum Kurfürstentum Mainz, und in Deutschland hatte man sich auf den Grundsatz geeinigt: „Wem das Land gehört, der bestimmt die Religion.“ – für Eppertshausen war das der Mainzer Erzbischof. Darum mussten die Eppertshäuser 1577 wieder katholisch werden. Um ihr Missfallen darüber auszudrücken, verweigerten die Eppertshäuser dem Mainzer Erzbischof die ihm zustehende Huldigung.

1945 bis 1975

Bis 1945 gab es dann in Eppertshausen nur sehr wenige evangelische Christen, die damals zur evangelischen Kirchengemeinde Dieburg zählten. Im ersten Nachkriegsjahr aber wuchs die Zahl durch Flüchtlinge, Vertriebene und Zuwanderer auf etwa 200 an. Betreut wurden sie zunächst vom evangelischen Pfarrer aus Ober-Roden, später gehörten sie zur evangelischen Kirchengemeinde Urberach. 1965 zählte Eppertshausen schon 500 Evangelische. Am 1. Januar 1966 wurde die „Evangelische Kirchengemeinde Eppertshausen“ errichtet – allerdings ohne eigene Pfarrstelle. Weiterhin war der evangelische Pfarrer aus Urberach auch für Eppertshausen zuständig.

Die vordringlichste Aufgabe des ersten Kirchenvorstands war der Bau eines Gemeindehauses mit Kirchsaal – für diese Lösung entschied man sich damals aufgrund der knappen Finanzen. Am 28. Mai 1967 wurde das „Haus der Begegnung“ eingeweiht. Damit konnten die Evangelischen endlich in ihrer eigenen Kirche Gottesdienst feiern. Zuvor war man dazu meist in der Schule zu Gast. Der damalige Pfarrer Marx erinnert sich: „Manchmal wischen wir erst die Schultafel sauber, bevor wir mit dem Gottesdienst beginnen –sitzend auf Stühlen der 2.ten Klasse! … Für größere Gottesdienste, z.B. Heilig Abend, dürfen wir die Mehrzweckhalle benutzen – das Aufstellen von Stühlen, Altar usw. ist natürlich unsere Sache. Aber wir sind dabei Gemeinschaft geworden.“

Im neuen Gemeindehaus regte sich bald das Gemeindeleben. Ein erster Adventsbasar wurde veranstaltet. Aus dem Vorbereitungskreis entstand der Ökumenische Frauenkreis, der bis 2004 den Basar im Evangelischen Gemeindehaus veranstaltete. Ein Ökumenischer Arbeitskreis fand sich zusammen, der in wechselnden Besetzungen bis heute aktiv ist und durch die Jahrzehnte viele verschiedene Veranstaltungen durchführte – so wie heute noch zum Beispiel den Weltgebetstag, seit 1995 den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, seit 2001 das monatliche Friedensgebet und seit 2003 die jährliche Bibelwoche. Auch eine Jungschar wurde eingerichtet. So begann die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die bis heute ein weiterer Schwerpunkt der Friedensgemeinde ist. Und seit 1972 gibt es einen Seniorennachmittag in unserem Gemeindehaus – auch er im ökumenischen Rahmen. Gefeiert wurde natürlich auch. Das Gemeindefest findet seit der Einweihung des Gemeindehauses traditionell im Mai statt.

1976 bis 1992

1976 machte die Evangelische Kirchengemeinde einen wichtigen Schritt in Richtung auf eine eigene Pfarrstelle: Es wurde eine Pfarrvikarstelle eingerichtet, die zwar noch zu Urberach gehörte aber ihren Sitz in Eppertshausen hatte. Allerdings sollte es noch weitere 6 Jahre dauern, bis diese Stelle zum ersten Mal besetzt wurde.

Die zweite Hälfte der 70er Jahre und der Anfang der 80er war auch in der Evangelischen Kirchengemeinde eine sehr bewegte Zeit. Gesellschaftliches Engagement und Friedensfragen spielten eine große Rolle. Aber auch weitere Gemeindegruppen gründeten sich. 1983 entstand der Evangelische Kirchenchor, der mittlerweile ein gemeinsamer Kirchenchor der Evangelischen Gemeinden Eppertshausen und Ober-Roden ist. Am 8. Juni 1986 wurde die Glocke eingeweiht – auch wenn es wieder nicht so einfach war, das notwendige Geld für eine Glocke aufzubringen. Die Inschrift der Glocke lautet „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.“ In diesen Jahren wurde auch das Gemeindehaus umgebaut. Der Altarraum wurde erweitert und mit Fenstern versehen, ein Gemeindebüro wurde angebaut und eine kleine Eingangshalle.

1993 bis 2014

1993 bekam die Evangelische Kirchengemeinde Eppertshausen dann endlich die lang angestrebte eigene Pfarrstelle. Die bisherige Pfarrvikarstelle wurde in eine Pfarrstelle umgewandelt und die pfarramtliche Verbindung mit Urberach gelöst. Damit war die Evangelische Kirchengemeinde Eppertshausen nun endgültig eigenständig. Mit der eigenen Pfarrstelle stand auch der Bau eines Pfarrhauses an. Es wurde im Kirchgarten errichtet mit dem Eingang zur Waldstraße. Im Jahr 2000 wurde das Pfarrhaus dann erstmals von einem Eppertshäuser Pfarrer bezogen.

2003 änderte die Evangelische Kirchengemeinde ihren Namen in „Evangelische Friedensgemeinde Eppertshausen“.

Obwohl die Friedensgemeinde stabile Mitgliederzahlen hat, ja in den letzten Jahren sogar wieder leicht gewachsen ist, ist die Pfarrstelle der Evangelischen Friedensgemeinde seit dem 1. Januar 2007 mit einem 0,25-Zusatzauftrag in der Evangelischen Martinsgemeinde Münster versehen. Das heißt: Für Eppertshausen ist nur noch eine 0,75-Pfarrstelle da. Gerade für jene Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, die sich für die Errichtung der eigenen Pfarrstelle und die Selbständigkeit der Friedensgemeinde engagiert hatten, war das eine große Enttäuschung.

Im September 2007 konnte die Friedensgemeinde nach langer Vorbereitung die Gemeindestiftung „SternenLicht“ gründen. 24 Gründungsstifterinnen und Gründungsstifter – Einzelpersonen, Familien und Unternehmen – trugen das Kapital dafür zusammen. 2008 wurde das Gemeindehaus grundlegend saniert, renoviert und neu gestaltet, wichtiges Ziel dabei war, dem Gemeindehaus einen  offenen Charakter zu geben. Im Jahr 2012 wurde das Gartenstück um den Kirchturm zur neuen Bürgerhalle hin geöffnet. Der so entstandene kleine Platz bekam den Namen „Friedensplatz“.